In Fürstenwalde sollen gleich zwei Wohnprojekte vorangebracht werden. Dumm nur, dass bei beiden Verfahren erst mal der Link zur Bürgerbeteiligung nicht funktionierte. Verwaltung kann eben alles. Außer manchmal Internet.
Wer dachte, das Amtsblatt sei nur Einschlaflektüre für Menschen mit zu viel Kamillentee im Blut, hat diese Ausgabe offenbar nicht gelesen. In der Nummer vom 2. April geht es gleich um zwei Bebauungspläne, die Fürstenwalde verändern können. Und es geht um einen bemerkenswerten Doppelklatscher der Verwaltung: Bei beiden Verfahren musste die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung neu gestartet werden, weil die Bekanntmachung vom 16.03.2026 einen fehlerhaften oder nicht funktionsfähigen Internetverweis enthielt. Bürgerbeteiligung ja, aber bitte mit verschlossener Tür. Ganz großes Kino.
Der größere Brocken ist der Bebauungsplan Nr. 126 Neue Spreevorstadt V. Zwischen Spree und Rudolf Breitscheid Straße soll ein neues Wohngebiet entstehen. Die Stadt nennt das Areal selbst ein bedeutendes Zukunftsgebiet für den Wohnungsbau. Geplant ist nicht irgendein Mini Projekt, sondern ein richtiges neues Quartier mit rund 190 Wohneinheiten, Häusern mit drei bis vier Vollgeschossen, Grünwegen, Spielplätzen und einem mehrgeschossigen Garagengebäude, damit nicht alles mit Blech zugestellt wird. Das ist keine kleine Nachverdichtung mehr, das ist ein massiver Eingriff ins Stadtbild.
Nebenbei räumt das Amtsblatt auch noch ein, dass die bisherigen Planvorstellungen für diese Fläche nicht mehr reichen. Der Flächennutzungsplan sah dort bisher eine deutlich niedrigere Dichte vor. Jetzt soll dort Geschosswohnungsbau hin, also dichter, höher, städtischer. Übersetzt heißt das: Die Richtung ist klar. Fürstenwalde will an der Spree nicht kleckern, sondern klotzen. Ob das städtebaulich klug ist oder einfach nur der nächste Versuch, Wohnungsdruck mit Beton zu erschlagen, darüber darf jetzt offiziell diskutiert werden.
Das zweite Verfahren betrifft den Bebauungsplan Nr. 132 Rauener Kirchweg. Kleiner, aber politisch nicht harmloser. Auf rund 0,4 Hektar soll Wohnungsbau ermöglicht werden. Und hier liegen gleich zwei Varianten auf dem Tisch: entweder sieben Einfamilien oder Doppelhäuser oder vier Mehrfamilienhäuser. Letztere wären laut Amtsblatt auch für seniorengerechtes Wohnen geeignet. Heißt unterm Strich: Es geht nicht bloß um ein paar Steine auf einem Grundstück, sondern um die Frage, wie Fürstenwalde künftig wohnen will. Kleinteilig und klassisch oder dichter und mit mehr Menschen auf derselben Fläche.
Für beide Verfahren läuft die Beteiligung nun vom 07.04.2026 bis einschließlich 05.05.2026. Stellungnahmen können online, per Mail, per Brief, per Fax oder direkt bei der Stadt abgegeben werden. Beim Rauener Kirchweg kommt noch ein Satz dazu, der fast schon unfreiwillig poetisch ist: Die Stadtverwaltung befindet sich derzeit im Umzug, die Ämter sind vorübergehend auf zwei Standorte verteilt. Während also neue Wohngebiete geplant werden, sucht die Verwaltung selbst noch nach der passenden Raumaufteilung. Man könnte lachen, wenn es nicht so verdammt typisch wäre.
Klar ist jedenfalls: Diese Amtsblatt Ausgabe ist kein trockenes Papiergrab, sondern ein echter Fingerzeig darauf, wohin Fürstenwalde steuert. An der Spree soll groß gebaut werden. Am Rauener Kirchweg wird über die Bauform gerungen. Und bei beiden Projekten ist die Öffentlichkeit jetzt noch mal gefragt, weil die Verwaltung beim ersten Versuch digital gegen die Wand gefahren ist. Bitter ist nur, dass genau solche Pannen das Vertrauen in Beteiligung kaputtmachen. Wer Menschen ernsthaft einbeziehen will, sollte vielleicht damit anfangen, ihnen überhaupt den funktionierenden Weg dorthin zu zeigen.













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