Je länger ich diesen Wahlkampf beobachte, desto stärker drängt sich mir bei Mathias Papendieck ein Eindruck auf: Hier bewirbt sich nicht einfach ein Kandidat aus der Mitte Fürstenwaldes heraus, hier wird jemand von einem politischen und institutionellen Netzwerk nach vorn geschoben und geradezu installiert.
Papendieck (SPD!) tritt zwar als Einzelkandidat an, hat aber selbst öffentlich erklärt, von SPD, CDU, Linken und Grünen unterstützt zu werden. In der Stichwahl steht ihm der amtierende Bürgermeister Matthias Rudolph gegenüber, der seit 2018 im Amt ist und aus Fürstenwalde stammt.
Dieser Gegensatz ist für mich entscheidend. Auf der einen Seite ein Bewerber mit breitem Rückhalt aus Parteien, Funktionsebenen und bekannten politischen Kreisen, auf der anderen Seite ein Kandidat, der zumindest stärker mit der Stadt selbst verbunden wirkt.
Denn wenn man sich anschaut, wer Papendieck stützt, dann springt vor allem eines ins Auge: Das sind eben nicht einfach nur Nachbarn, Vereinsfreunde oder ganz normale Bürger aus allen Ecken der Stadt, sondern auffällig viele bekannte Namen aus Partei, Verwaltung und politischem Umfeld. Deshalb wirkt seine Kandidatur auf mich NICHT wie ein gewachsener Bürgerwille von unten, sondern wie ein aufgebautes Projekt, von „Strippenziehern“, die ohnehin seit 2018 gegen Rudolph sind. Der eine Kandidat scheint tief in politischen Strukturen verankert zu sein, der andere eher im alltäglichen Leben dieser Stadt.
Daraus ergibt sich für mich eine ziemlich schlichte Frage: Wer macht am Ende für wen Politik? Für die Menschen in Fürstenwalde oder für die Kreise, die ihn unbedingt ins Rathaus bringen wollen? Selbst bei der Veranstaltung im Fürstenwalder Hof wurde ein Familienmitglied aus dem sogenannten Kompetenzteam hinter Papendieck, ans Mikrofon gestellt und suggerierte, mit gezielter Frage, Rudolph eine ideologische Nähe zur AfD.
Besonders deutlich wurde der Unterschied für mich am Sonnabend im Paul-Frost-Ring. Nach meiner eigenen Beobachtung war Matthias Rudolph früh vor Ort, in Arbeitskleidung, mit Lavendelpflanzen, und hat bei der Aufräumaktion tatsächlich mit angepackt. Papendieck kam aus meiner Sicht erst später dazu, als vieles schon erledigt war, bedankte sich bei den Helfern und war dann vor allem in dem Moment präsent, als sich das Ganze gut als Bild erzählen ließ. Genau das ist der Unterschied zwischen Anpacken und Auftauchen. Und genau deshalb bleibt bei mir der Eindruck hängen, dass hier weniger gearbeitet als vielmehr Wirkung erzeugt werden sollte. Rudolph selbst hat später auch öffentlich geschrieben, dass er bei der Aufräumaktion mitgeholfen habe.
Politik erschöpft sich eben nicht darin, dann aufzutauchen, wenn die Müllsäcke schon gefüllt sind und das Motiv stimmt. Wer nur im richtigen Moment sichtbar wird, wirkt schnell nicht wie ein Macher, sondern wie jemand, der Engagement anderer für seine eigene Inszenierung nutzt.
Und genau deshalb ist das mehr als eine Nebensächlichkeit am Rande. Wenn solche Aktionen an Orten stattfinden, die für Gemeinwesenarbeit, Jugendarbeit und Nachbarschaft gedacht sind, dann wird die Sache politisch heikel. Der Paule49 ist ein offener Treffpunkt für Kinder, Jugendliche und Anwohner. Der KiezKOM ist offiziell ein Anwohnertreff mit Beratung, Integration und Hilfe zur Selbsthilfe. Solche Orte sollten in erster Linie dem Stadtteil dienen und nicht den Eindruck erwecken, Wahlkampfbühnen für einzelne Kandidaten zu sein.
Für mich bleibt deshalb ein schaler Eindruck zurück. Beim einen Kandidaten sehe ich Menschen, die tatsächlich arbeiten, helfen und aus dem Stadtleben kommen. Beim anderen sehe ich sehr oft Funktionäre, bekannte Unterstützer, politische Netzwerke und Auftritte, die auffällig gut ins Bild passen. Das mag jeder für sich bewerten. Ich jedenfalls frage mich sehr ernsthaft, ob Fürstenwalde einen Bürgermeister braucht, der aus der Bürgerschaft heraus handelt, oder einen, der vor allem von organisierten Unterstützerkreisen getragen und in Szene gesetzt wird.
Der Autor möchte anonym bleiben.











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