Fürstenwalder Käseblatt

Stadtgeflüster – informiert, aktuell, überzogen, zynisch, IRONISCH, mittendrin, manchmal sogar sachlich und konstruktiv.

Finanzkrise im Rathaus!

29.01.2026, SVV, Vollbremsung im Rathaus: Fürstenwalde zwischen Kassensturz und Krawall.

Manchmal weißt du nach fünf Minuten Sitzung: Das hier wird kein Protokoll, das wird Material für den Tresen. Fürstenwalde hat diese Woche wieder geliefert. Laut, lang, beleidigt, besserwissend und mit dem festen Willen, dass am Ende natürlich immer die anderen schuld sind.

Ausgangspunkt der Eskalation: Der Bürgermeister zieht den Haushalt zurück. Zack. Kein warmes Einrollen, kein Wir reden nochmal drüber, sondern Vollbremsung mit quietschenden Reifen. 17 Millionen Euro Loch, Kassenkredit bis Oberkante Unterlippe, Brandenburg dreht den Geldhahn zu und im Saal stehen Leute, die ernsthaft noch diskutieren, ob man nicht hier und da doch noch ein paar Hunderttausend irgendwo rausquetschen kann. Als würde irgendwo im Rathaus ein geheimer Geldbaum stehen, den nur der Bürgermeister aus Bosheit nicht gießt.

Die einen nennen es Verantwortung, die anderen Machterhalt.

Der Bürgermeister sagt: Ich unterschreibe nichts, was uns rechtlich um die Ohren fliegt oder finanziell in den Abgrund schiebt. Punkt. Haushaltssicherungskonzept jetzt, freiwillig, bevor es uns von der Kommunalaufsicht mit dem Vorschlaghammer übergezogen wird. Erst Zahlungsfähigkeit, dann Wunschliste.

Die Gegenseite hört: Der Mann hat Angst vor Mehrheiten, zieht den Stecker und spielt den Oberlehrer mit Paragrafen. Demokratie adé, Debatte abgewürgt, Meinung unerwünscht. Willkommen im Rathaus-Drama.

Und dazwischen sitzt der normale Mensch und denkt sich: Leute, mir ist egal, wie ihr das nennt. Ich will nur, dass die Stadt am Monatsende noch Rechnungen bezahlen kann.

17 Millionen Minus und trotzdem wird gerechnet wie beim Skatabend.

Was wirklich faszinierend war: Wie locker manche mit Zahlen umgehen, die jedem normalen Haushalt Schweißausbrüche bescheren würden. 17 Millionen Euro fehlen. Das ist nicht bisschen doof, das ist richtig kaputt. Und trotzdem hörst du Sätze wie: Da könnten wir doch noch, das müsste man doch irgendwie, wir haben doch Rücklagen.

Ja. Rücklagen. Auf dem Papier. Keine Bargeldkiste, kein Sparschwein im Keller. Aber Hauptsache, man fühlt sich reich.

Der Bürgermeister hat es irgendwann deutlich gesagt: Liquidität ist keine Meinung. Entweder das Geld ist da oder nicht. Sozialabgaben zuerst, dann Löhne. Und wenn das wackelt, ist Ende Gelände. Das ist kein politischer Stil, das ist schlicht Physik.

Teppiche, Trauzimmer und das große Vergessen.

Natürlich durfte das klassische Fürstenwalde Bingo nicht fehlen. Irgendwer ruft Teppichböden, jemand anderes Fahrradparkhaus, dann Trauzimmer im Jagdschloss für schlappe 300.000 Euro. Alles Punkte, bei denen man sich fragt, warum sie in einer Haushaltskrise plötzlich wie kleine Randnotizen behandelt werden.

Am Stammtisch wäre das schnell geklärt: Für Trauzimmer mit Goldrand haben wir kein Geld, aber für endlose Reden anscheinend schon.

Haushaltssicherungskonzept als Schreckgespenst.

Das Wort Haushaltssicherungskonzept flog durch den Saal wie ein fauler Apfel. Für die einen ist es der Einstieg in die Zwangsjacke, unsozial, kalt, alles kaputtsparen. Für die anderen ist es die letzte Chance, selber zu steuern, bevor von außen jemand kommt und sagt: So Freunde, jetzt hört ihr mal alle zu.

Ironischerweise reden alle von Verantwortung, aber kaum jemand davon, wie man eigentlich jemals aus dem Minus wieder rauskommt. Einnahmen steigern? Wirtschaft ankurbeln? Zuzug fördern? Da wird es plötzlich still. Sparen bei anderen ist einfach. Struktur ändern ist unbequem.

Unterm Strich sieht es so aus: Der Bürgermeister hat sich entschieden, den Buhmann zu geben, um die Stadt zahlungsfähig zu halten. Er hat sich damit nicht beliebt gemacht, aber beliebt sein zahlt keine Rechnungen. Die Stadtverordneten haben sich gegenseitig erklärt, wer schuld ist, während der Kontostand davon unbeeindruckt weiter Richtung MINUS marschiert.

Am Ende bleibt eine bittere Wahrheit: Fürstenwalde hat kein Diskussionsproblem, sondern ein Geldproblem. Und Geld lässt sich nicht wegdebattieren, nicht wegbeschließen und auch nicht mit besonders empörten Redebeiträgen herbeizaubern.

Oder wie man es am Stammtisch sagen würde: Wenn die Kasse leer ist, kannst du schreien, so laut du willst. Das Bier wird davon auch nicht billiger.

FORTSETZUNG FOLGT …

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