2021 ein Ausführungsbeschluss. 2026 noch keine Umsetzung. Und jetzt wird die Planung neu aufgesetzt.
Der öffentliche Halbjahresbericht der Stadt Fürstenwalde. Es geht um die Lindenstraße zwischen Turmstraße und James-Watt-Straße.
Wer dort auf den Ausbau wartet, darf nach fünf Jahren schon einmal fragen: Was genau war dieser Beschluss eigentlich wert?
LINDENSTRASSE: DER BESCHLUSS IST NOCH DA. DAS PLANUNGSBÜRO NICHT MEHR.
Die Verwaltung schreibt:
„Für den Ausbau der Lindenstraße zwischen Turmstraße und James-Watt-Straße liegt seit 2021 ein Ausführungsbeschluss vor. Eine Umsetzung der Maßnahme ist bislang nicht erfolgt.“
[Informationsvorlage, Seite 12]
Deutlicher muss man es kaum formulieren.
Die vorhandene Planung kann laut Bericht nicht ohne Weiteres für die Umsetzung verwendet werden. Fachliche Grundlagen fehlen oder müssen aktualisiert werden. Außerdem muss geprüft werden, welche Unterlagen fachlich und rechtlich noch verwendbar sind.
Und dann dieser Satz:
„Das ursprünglich beauftragte Planungsbüro besteht nicht mehr.“
[Seite 12]
Für den zweiten und dritten Bauabschnitt sollen deshalb neue Planungsleistungen ausgeschrieben werden. Vorhandene Unterlagen sollen einfließen, soweit sie verwendbar sind. Planung und Variantenbewertung nennt die Stadt für das erste Quartal 2027.
Wohlgemerkt: Planung und Variantenbewertung. Keinen Baubeginn.
Wer 2021 auf eine absehbare Umsetzung gehofft hat, bekommt damit vorerst einen weiteren Planungsschritt.
RUDOLF-BREITSCHEID-STRASSE: AUCH HIER GEHT ES ZURÜCK AN DEN PLANUNGSTISCH.
Der Grundsatzbeschluss stammt aus dem Jahr 2022. Ursprünglich ging es vor allem um Seitenbereiche, Geh- und Radwege sowie Bushaltestellen. Später kam die grundhafte Erneuerung der Fahrbahn hinzu.
Das ist eine erhebliche Erweiterung. Die muss ordentlich geplant werden.
Allerdings ist auch die 2024 überarbeitete Vorplanung laut Bericht noch nicht ausreichend abgeschlossen. Der Landesbetrieb hat zu wesentlichen Punkten Überarbeitungs- und Prüfhinweise gegeben: Straßenquerschnitt, Fuß- und Radverkehr, Bushaltestellen, Querungen, Entwässerung, Bäume und Kostenteilung.
Das ist eine ziemlich lange Liste für ein Projekt, dessen Grundsatzbeschluss vier Jahre zurückliegt.
Die Verwaltung hält fest:
„Die bisherige Planung wird derzeit nicht in die nächste Leistungsphase fortgeführt.“
[Seite 12]
Die Maßnahme wird neu aufgesetzt. Belastbare Kosten und ein Umsetzungszeitraum sollen erst nach der Neubewertung folgen.
Zusätzlich hängt die Planung mit der Erschließung der Spreevorstadt zusammen. Dort ist später Baustellen- und Schwerverkehr zu erwarten. Eine frisch erneuerte Straße gleich wieder stark zu belasten, wäre ebenfalls erklärungsbedürftig.
Gerade deshalb lautet die Frage: Wann gibt es einen abgestimmten Ablauf, auf den sich die Menschen verlassen können?
800 ARBEITSSTUNDEN FEHLEN. WELCHES PROJEKT WARTET DAFÜR LÄNGER?
In der Ausschusssitzung vom 1. September beschrieb Beigeordneter Norbert Hein die personelle Lage im Tiefbau. Für Januar bis August nannte er rund 2.300 vertraglich gebundene Arbeitsstunden. Tatsächlich geleistet worden seien 1.500.
„Es fehlen mir 800 Arbeitsstunden.“
[Video: 29:05–29:07]
Das entspricht rechnerisch rund 35 Prozent des von ihm genannten Stundenumfangs. Hein erklärte, dieser Ausfall lasse sich nicht so ausgleichen, dass mehrere Projekte intensiv parallel bearbeitet werden könnten.
Aus diesen Zahlen lässt sich kein Urteil über den Einsatz einzelner Beschäftigter ableiten. Ebenso wenig erklären sie automatisch sämtliche Verzögerungen seit 2021.
Sie werfen aber eine Führungsfrage auf: Wenn die vorhandenen Kapazitäten nicht für alles reichen, wer legt dann fest, was zuerst passiert? Welche Termine werden angepasst? Und wann erfahren die Bürger davon?
BAHNHOFSTRASSE: DIE SCHNELLE LÖSUNG STEHT AUF DEM PRÜFSTAND.
Auch die Bahnhofstraße taucht im Bericht auf. Ihre Fahrbahn weist erhebliche Schäden auf. Eine Deckensanierung sollte den Zustand kurzfristig verbessern.
Inzwischen wird geprüft, ob das angesichts des Straßenaufbaus überhaupt dauerhaft und wirtschaftlich sinnvoll wäre. Dazu kommt die Verkehrsfrage: Wie lassen sich Wohnstraßen von Schwerlast- und Umleitungsverkehr entlasten? Welche Rolle könnten Bahnhofstraße, Alte Langewahler Straße und Siegfried-Hirschmann-Straße künftig übernehmen?
Bürgeranliegen und Petitionen sollen einbezogen werden.
Eine ungeeignete Sanierung zu stoppen, kann vernünftig sein. Niemand braucht neuen Asphalt, unter dem die alten Probleme weiterarbeiten.
Nur wird aus einer ursprünglich kurzfristig gedachten Verbesserung damit erst einmal eine umfassendere Prüfung. Für die Betroffenen zählt deshalb, was bis zur endgültigen Lösung geschieht.
WENIGER AUSGEGEBEN HEISST NOCH NICHT: PROBLEM GELÖST.
Bei Lindenstraße und Bahnhofstraße erwartet die Verwaltung, dass die Haushaltsansätze 2026 nicht vollständig benötigt werden.
Das klingt auf dem Papier nach weniger Ausgaben. In diesen Fällen hängt es aber mit verzögerter Planung beziehungsweise einer Neubewertung zusammen. Die Aufgabe ist damit nicht erledigt.
Ein nicht ausgegebener Euro repariert noch keinen Meter Straße.
Der Bericht ist dabei durchaus hilfreich: Er macht Schwierigkeiten sichtbar, die Bürger sonst mühsam einzeln erfragen müssten. Jetzt müssen aus dieser Offenheit überprüfbare nächste Schritte werden.
Denn zu jedem Vorhaben lässt sich eine Erklärung finden. Die größere Frage bleibt: Wie schafft Fürstenwalde es, beschlossene Projekte tatsächlich bis zur Umsetzung zu bringen?
WAS DIE STADT JETZT BEANTWORTEN SOLLTE
– Warum wurde der Lindenstraßen-Beschluss seit 2021 nicht umgesetzt, und wann wurden die Probleme mit den Planungsunterlagen erkannt?
– Was haben die bisherigen Planungen gekostet? Welche Teile können weiterverwendet werden, und welche zusätzlichen Planungskosten entstehen?
– Welche Projekte haben bei den knappen Tiefbaukapazitäten Vorrang? Welche müssen ausdrücklich warten?
– Wann gibt es für Lindenstraße und Rudolf-Breitscheid-Straße belastbare nächste Entscheidungstermine?
– Welche Zwischenmaßnahmen helfen den Anwohnern, bis grundhaft gebaut oder saniert wird?
Ein Beschluss kann der Anfang einer Verbesserung sein. Nach mehreren Jahren darf er auch einmal zu einer führen.
QUELLEN:
Stadt Fürstenwalde/Spree, Informationsvorlage IV/24-29/0072, „Halbjahresbericht über investive Baumaßnahmen“, Freigabe vom 28. August 2026.
Rudolf-Breitscheid-Straße: Seiten 11–12.
Lindenstraße: Seiten 12–13.
Bahnhofstraße: Seiten 13–14.
Öffentliche Vorlage:
https://sessionnet.owl-it.de/fuerstenwalde-spree/bi/vo0050.asp?__kvonr=448
Ausschuss für Stadtentwicklung vom 1. September 2026, Angaben zu den Arbeitsstunden ab 28:48:
https://www.youtube.com/watch?v=euXFAFFumPs&t=1728s
#Fürstenwalde #Lindenstraße #Stadtentwicklung #Käseblatt
Bild: KI
Artikel · 11.9.2026
FÜRSTENWALDES STRASSEN: BESCHLOSSEN IST NOCH LANGE NICHT GEBAUT

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