Fürstenwalder Käseblatt

Stadtgeflüster – informiert, aktuell, überzogen, zynisch, IRONISCH, mittendrin, manchmal sogar sachlich und konstruktiv.

Die Show der Kandidaten – Ein Eindruck!

Bürgermeisterrunde in Fürstenwalde: Viel Show, viel Gerede und am Ende doch ein klarer Eindruck

Vorn stand Carolin Schönwald und führte durch den Abend, mal locker, mal bemüht, mal mit dem Versuch, das Ganze zwischen politischer Ernsthaftigkeit und Veranstaltungslaune zusammenzuhalten. Auf der Bühne saßen Matthias Rudolph als Amtsinhaber, Matthias Papendieck als scharf auftretender Herausforderer, Steven Fechtner eher sachlich und vorsichtig, Thomas Apitz mit seinem bekannten Hang zu Grundsatzschleifen, René Ristau bodenständig und praktisch, Juliana Kluge mit sozialem Blick sowie Sophie Schleusner jung, engagiert und sichtbar noch im Anlauf. Also einmal das komplette kommunalpolitische Wimmelbild, fein säuberlich nebeneinander aufgereiht, damit Fürstenwalde sich anschauen konnte, wer hier wirklich ins Rathaus will und wer bloß gern auf einer Bühne sitzt.

Es gibt diese Abende, da weiß man hinterher nicht so recht, ob man bei einer politischen Fragerunde war oder bei einem etwas aus dem Ruder gelaufenen Stadtfest mit Mikrofon. Genau so ein Abend war die Bürgermeisterrunde in Fürstenwalde. Da wurde moderiert, gefragt, geredet, ausgeteilt, ausgewichen, teilweise ordentlich geliefert und an manchen Stellen leider auch so getan, als wäre Lautstärke schon ein politisches Konzept.

Lässt man Musik, lockeren Bühnenkram, aufgesetzte Spielchen und all das Beiwerk mal weg, das bei so einer Veranstaltung gern künstlich Stimmung erzeugen soll, bleibt aber trotzdem etwas übrig. Nämlich ein ziemlich aufschlussreicher Blick darauf, wer in dieser Stadt wirklich führen will, wer einfach nur gern dagegen ist und wer zwar redet, aber noch nicht so richtig nach Rathaus klingt.

Vor allem einer wirkte an diesem Abend so, als wüsste er ziemlich genau, was dieses Amt bedeutet: Matthias Rudolph. Das heißt nicht, dass man jede seiner Positionen lieben muss oder dass er immer geschniegelt wirkt. Aber wenn es unangenehm wurde, wenn es konkret wurde, wenn es um AfD, Sicherheit, Langewahl oder den politischen Ton ging, war er derjenige, der nicht ins Schwimmen geriet. Er antwortete nicht immer charmant, aber meistens kontrolliert, geordnet und mit der Ruhe eines Mannes, der dieses Amt eben nicht erst aus dem Internet kennt.

Gerade beim heiklen Thema AfD zeigte sich das deutlich. Aus dem Publikum kam ein klarer Vorwurf zur Zusammenarbeit mit der AfD. Rudolph wies den Vorwurf zurück, stellte sich als Bürgermeister für alle Bürger dar und verwies auf den demokratischen Prozess. Das war keine emotionale Glanznummer, aber eine stabile Antwort. Man merkte: Der Mann kennt die Angriffe, hat sie schon erlebt und weiß, wie er damit umgeht. Das mag nicht jedem gefallen, aber es ist politisch erst mal belastbar.

Matthias Papendieck versuchte genau an dieser Stelle, den Konter zu setzen. Er griff die Rolle der AfD bei Kürzungsdebatten an und wollte sich als schärferer Gegenentwurf positionieren. Das Problem war nur: Bei ihm hatte man öfter das Gefühl, dass der Angriff manchmal stärker war als die eigene Flughöhe. Er wirkte stellenweise engagiert, klar. Aber auch ein bisschen wie jemand, der schon sehr genau weiß, gegen wen er schießen will, während noch nicht ganz so klar ist, wie er das Rathaus am Ende besser führen würde. Angriff allein ist eben noch kein Amtsverständnis.

Das zeigte sich auch an anderer Stelle. Papendieck hatte durchaus brauchbare Momente, etwa als er beim Thema Langewahl einen alternativen Standort ins Spiel brachte und nicht bloß reflexhaft Nein sagte. Das war ordentlich. Aber gleichzeitig schwang bei ihm mehrfach dieser Ton mit, den man aus der Kommunalpolitik zur Genüge kennt: viel Haltung, viel Spitzen, viel Signal an die eigene Seite. Nur ist eine Bürgermeisterwahl eben kein Kommentarspaltenwettbewerb. Irgendwann will man als Zuhörer auch wissen, wer in dieser Stadt mit Verwaltung, Konflikten, Ordnung, Finanzen und den unvermeidlichen Realitäten umgehen kann, ohne bei jedem zweiten Satz nach politischer Lagerpflege zu klingen.

Genau da lag Rudolph an diesem Abend vorn. Nicht spektakulär. Nicht mit großen Showmomenten. Sondern schlicht, weil er in den zentralen Themen mehr nach Amtsführung aussah als die anderen. Beim Thema Sicherheit beispielsweise war das besonders deutlich. Während andere noch abtasteten, ob man mehr Polizei, mehr Ordnung oder mehr gute Gefühle braucht, sprach Rudolph wenigstens in einer Form, die nach Verwaltungsrealität klang. Seine Idee einer kommunalen Ordnungstruppe mit erweiterten Befugnissen kann man gut oder schlecht finden. Aber es war wenigstens ein Vorschlag mit Richtung. Nicht bloß das übliche Man müsse mal schauen.

Papendieck hielt dagegen und verwies auf Bundespolizei und Landespolizei. Das klingt zunächst vernünftig. Nur ist das auch der Klassiker des politischen Wegschiebens: Zuständigkeit nach oben verlagern, auf andere Ebenen zeigen und hoffen, dass es schon irgendwie passiert. Kann man machen. Es wirkt nur weniger nach Gestaltung und mehr nach Bitte an fremde Behörden. Wer in Fürstenwalde Sicherheit zum Wahlkampfthema macht, sollte mehr liefern als den Verweis auf andere.

René Ristau wirkte in diesem Block bodenständig und praxisnah. Das war unaufgeregt und anständig. Er sprach über Sicherheitspartnerschaften und vorhandene Strukturen, also nicht über große Fantasiegebilde, sondern über das, was vor Ort tatsächlich machbar ist. Das hatte Hand und Fuß.

Steven Fechtner wiederum wirkte solide, aber eher vorsichtig. Kein Lautsprecher, eher einer, der erst mal nachdenkt. Das ist sympathisch, reißt aber auf einer Bühne natürlich keine Bäume aus.

Spannend wurde es bei Langewahl. Da zeigte sich, wer in dieser Runde nur Stellung beziehen will und wer versucht, das Thema halbwegs sachlich zu fassen. Rudolph korrigierte Zahlen, ordnete die Flächenfrage ein und verwies auf Altlasten und Entwicklungsmöglichkeiten. Man merkte auch hier: Er hat sich mit dem Stoff beschäftigt. Apitz war dagegen wie so oft schnell beim grundsätzlichen Nein. Das ist legitim, hilft aber nur begrenzt, wenn eine Stadt sich zwischen Stillstand und Entwicklung entscheiden muss. Fechtner blieb vorsichtig abwägend, Papendieck brachte seinen Alternativstandort. Das war einer seiner besseren Auftritte. Trotzdem blieb bei ihm der Eindruck, dass er am stärksten ist, wenn er in Opposition arbeitet. Ob das am Ende für ein Bürgermeisteramt reicht, ist eine andere Frage.

Sophie Schleusner hatte einen schwierigen Abend. Sie wirkte ernsthaft, mutig und nicht künstlich geschniegelt, aber eben auch sichtbar unerfahrener. Bei harten Fachfragen war das zu merken. Das ist kein Vorwurf, sondern einfach die Wahrheit. Sie wird ihren Weg vermutlich noch machen, aber an diesem Abend war sie eher die Kandidatin des Versprechens als die der fertigen politischen Schlagkraft.

Juliana Kluge hatte ordentliche, soziale Akzente, blieb insgesamt aber blasser. Thomas Apitz wiederum war bemüht, landete aber mehrfach in seinen bekannten Dauerschleifen. Man hat bei ihm das Gefühl, dass er in jeder Debatte irgendwann wieder an derselben Abzweigung landet.

Besonders aufschlussreich war der soziale Block. Da ging es um Teilhabe, Barrierefreiheit, Angebote für Menschen mit Einschränkungen, Familien mit wenig Geld und Menschen, die schnell hinten runterfallen, wenn in Haushaltsdebatten gesäbelt wird. Da wurde endlich mal nicht nur geschniegelt über Konzepte gesprochen, sondern über das echte Fürstenwalde. Über kaputte Gehwege, fehlende barrierefreie Toiletten, über Bahnhofsaufzüge, über Vereine, über Orte der Teilhabe. Das war eine der stärkeren Phasen des Abends, weil plötzlich klar wurde: Die Stadt hat genug Probleme, für die man keinen Wahlkampfsound, sondern schlicht funktionierende Politik braucht.

Und genau deshalb wirkt Rudolph am Ende wie derjenige, der aus diesem Abend am meisten mitgenommen hat. Nicht, weil er alle begeistert hätte. Nicht, weil er jede Antwort perfekt geliefert hätte. Sondern, weil er in Summe am stärksten nach Bürgermeister aussah. Nach jemandem, der weiß, wie man mit Druck umgeht, wie man aushält, dass nicht jeder einen mag, und wie man politische Angriffe nicht sofort in hektisches Zucken übersetzt. Das ist keine Liebeserklärung. Das ist einfach eine Beobachtung.

Papendieck war ohne Frage einer der auffälligsten Herausforderer. Aber auffällig ist eben nicht automatisch überzeugend. Er hatte gute Momente, doch gerade in der Zuspitzung wirkte er manchmal mehr wie der Mann für die Attacke als wie der Mann fürs Ganze. Das kann im Wahlkampf ziehen. Im Rathaus wird es irgendwann anstrengend.

Unterm Strich hat Fürstenwalde an diesem Abend gesehen, wer auf der Bühne führen kann, wer opponieren kann und wer noch dabei ist, sich erst einmal selbst zu sortieren. Der Amtsinhaber wirkte nicht glänzend, aber stabil. Papendieck kämpferisch, aber nicht immer staatsmännisch. Der Rest blieb irgendwo dazwischen, mal sympathisch, mal sachlich, mal blass.

Und vielleicht ist genau das die ehrlichste Bilanz dieses Abends: Wer Rudolph loswerden will, braucht mehr als Angriffslaune. Er braucht das Gefühl, dass da jemand kommt, der nicht nur gegen den Amtsinhaber redet, sondern wirklich für die Stadt stehen kann. Dieses Gefühl war an diesem Abend nicht durchgehend da.

Fürstenwalde hat also keinen großen politischen Feuersturm erlebt. Aber immerhin einen Abend, nach dem man ziemlich genau weiß, wem man das Rathaus sofort zutraut, wem vielleicht später und bei wem es eher für das kritische Kommentieren von der Seitenlinie reicht. Das ist schon mehr Erkenntnis, als viele solcher Wahlabende sonst hergeben.

Quelle: https://www.youtube.com/live/lP9HATLP–k?si=WhbQV6e9OugJJAk3

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